Herrscher über 30.000 PS

Ein Besuch bei unserem Chief Engineer

Unter dem Autodeck befindet sich in einer zweistöckigen Halle der Maschinenraum. Von hier werden die 164 Meter der MS Norröna angetrieben, hier verursachen 4 mächtige 6-Zylinder MAN Motoren einen ohrenbetäubenden Lärm. Und der 1.Ingenieur Ólavur Gunnarson ist der Herr über die 30.000 PS, die die Maschinen insgesamt haben. Er und seine 12-köpfige Maschinenraumcrew sind stolz auf ihre Maschinen und sind dementsprechend bemüht, sie sauber und einsatzbereit zu halten.

Ólavur führt uns durch den infernalischen Lärm durch den Maschinenraum in den Kontrollstand, wo der Lärmschutz auf den Ohren nicht länger erforderlich ist. Hier haben die Ingenieure einen kompletten Überblick über Zustand und Leistung der Maschinen. Zahlreiche Sensoren an allen Maschinen kontrollieren permanent das Geschehen und wenn etwas nicht so läuft wie es sein soll, dann meldet sich eines der über 200 installierten Alarmsysteme.

Gigantische Propeller

Jede der Maschinen vom Typ MaK 43 läuft mit 6 Zylindern mit einem Durchmesser von 43 Zentimetern und einer Umdrehungszahl von ca. 500 Umdrehungen pro Minute.  Nachdem die Maschinenleistung zu den beiden Propellern transferriert wurde, beträgt die Umdrehungszahl noch bis zu 115 Umdrehungen pro Minute, diese Zahl ist ideal für die beiden jeweils 5,2 Meter großen und 9 Tonnen schweren Propeller. Mit der Gesamtleistung der vier Hauptmaschinen, jede mit einer Leistung von 7500 PS, insgesamt also 30.000 PS oder 21.600 KW, lässt sich das Schiff getrost mit einem großen Kraftwerk vergleichen, zumindest für färöische Verhältnisse.

Kraftwerk

Die Power der Norröna entspricht der Hälfte der Leistung des einzigen großen Kraftwerkes auf den Färöer Inseln, das etwas außerhalb von Torshavn liegt. Die Ingenieure haben errechnet, dass die Kraft der Norröna in etwa 40% der gesamten Energieerzeugung aus fossilen Brennstoffen auf den Färöern entspricht. Die Norröna verfügt über einen Wellengenerator, der die Stromversorgung während der Fahrt sicherstellt. Während der Liegezeiten werden die Hilfsmotoren angeworfen, es handelt sich um drei Maschinen vom Typ MaK M20, die Zahl steht dabei für die Größe der Kolben. Es handelt sich um zwei 9-Zylindermotoren mit maximal 1800 KW sowie eine 6-Zylindermaschine mit 1200 KW. Diese Maschinen werden entweder ausschliesslich eingesetzt oder auch zur Unterstützung der Hauptmaschinen.

Schweröl

Die Hauptmaschinen sind nicht permanent im Einsatz. Ólavur Gunnarson erklärt uns: "Das hängt davon ab, welche Leistungen der Kapitän fordert. Wenn wir unter 18 Knoten bleiben, dann benötigen wir nicht alle vier Maschinen, sondern wir fahren nur mit dreien, manchmal sogar nur mit 2 Maschinen. ” Die Maschinen laufen mit Schweröl, dass die MS Norröna in Dänemark bunkert. Diese zähflüssige Masse muss auf 50 Grad erhitzt werden, damit sie umgepumpt werden kann.  Bevor der Treibstoff in die Zylinder gelangt, wird das Öl gefiltert und gereinigt. Im Zylinder angekommen erhitzt sich das Öl auf 133 Grad und wird dann unter starken Druck - etwa 470Bar - entzündet, damit die Verbrennung so sauber wie möglich ist.

Umweltschutz

Wenn die MS Norröna ständig unter Volllast laufen würde, also mit ca. 22 Knoten, dann würde der Treibstoffverbrauch bei ungefähr 100 Tonnen pro Tag liegen. Aber dies ist nur ein theoretischer Wert, in der Praxis liegt der Durchschnittsverbrauch bei etwa 320 Tonnen pro Woche in der Nebensaison und bei ungefähr 450 Tonnen in der Hauptsaison, wenn das Schiff schneller und länger fährt.   Der Ölverbrauch wird permanent überwacht, einerseits um möglichst effektiv zu sein und andererseits um die Umweltbelastungen durch die Abgasemmissionen möglichst gering zu halten. " Wir beobachten den Verbrauch sehr genau. Die Reederei hat auch eine Kommission eingesetzt, bestehend aus Besatzungsmitgliedern und Fachleuten an Land, die ständig nach neuen Wegen und Möglichkeiten sucht, den Verbrauch und damit die Umweltbelastung weiter zu verringern" sagt Ólavur Gunnarson.

Frischwasser

Nicht nur der Antrieb der Norröna wird im Kontrollraum neben den lauten Maschinen gereglt und kontrolliert, auch für die Wasserversorgung des Schiffes sind die Ingenieure zuständig. " Unser Wasserkraftwerk produziert Frischwasser direkt an Bord. Wir nehmen Seewasser auf, pumpen es in eine spezielle Osmose-Anlage und am anderen Ende kommt klares Trinkwasser heraus, dem wir noch etwas Chlor und einige andere Zutaten hinzufügen. Die Frischwasseranlage ist aber nur in der Hochsaison in Betrieb, wenn wir viele Gäste an Bord haben und die Liegezeiten in den Häfen sehr kurz sind. Ansonsten bunkern wir in Torshavn Frischwasser. Das Wasser auf den Färöern ist von sehr guter Qualität und es ist so billig, dass es nicht lohnt, die bordeigene Anlage zu nutzen". Natürlich ist die Maschinencrew auch für die an Bord anfallenden Abwässer zuständig. Diese werden mit der bordeigenen Kläranlage soweit gereinigt, dass sie bedenkenlos von Bord gepumpt werden können.  Auch gibt es im Maschinenraum einen speziellen Heisswasserbereiter, aber dieser wird nicht während der Fahrt genutzt. Dann reichen die Temperaturen der Abgase, um warmes Wasser zu bereiten und an kalten Tagen auch noch das Schiffsinnere zu heizen.

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